Weniger Sonnenstunden ab November: Wie viel Solarstrom produziert eine Anlage im Herbst & Winter?
Mit dem November beginnt für viele Solaranlagen die ertragsschwächste Zeit des Jahres. Während im Sommer häufig mehr Strom erzeugt wird, als ein Haushalt direkt verbrauchen kann, sorgen kurze Tage, dichte Wolken und ein niedriger Sonnenstand im Herbst und Winter für deutlich geringere Erträge.
Besonders auffällig wird der Unterschied beim Blick auf die monatliche Stromproduktion. Eine Anlage, die im Juni noch mehrere Hundert Kilowattstunden erzeugt, liefert im Dezember unter Umständen nur einen Bruchteil davon. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Stromerzeugung während der kalten Jahreszeit vollständig zum Erliegen kommt.
Auch im November, Dezember und Januar produzieren Solarmodule weiterhin Strom. Entscheidend sind die Witterungsverhältnisse, die Ausrichtung der Anlage und der Umgang mit dem selbst erzeugten Strom. Mit realistischen Erwartungen und einer angepassten Nutzung lässt sich auch im Winter ein Teil des Strombedarfs durch Sonnenenergie decken.
Warum die Stromproduktion ab November deutlich zurückgeht
Der wichtigste Grund für die geringeren Solarerträge im Winter ist die abnehmende Sonneneinstrahlung. Während die Sonne im Juni in Deutschland bis zu rund 17 Stunden über dem Horizont stehen kann, sind es im Dezember vielerorts nur etwa acht Stunden. Zusätzlich erreicht die Sonne selbst zur Mittagszeit nur eine geringe Höhe.
Dadurch treffen die Sonnenstrahlen in einem ungünstigeren Winkel auf viele Dachflächen. Gleichzeitig kommt es im November besonders häufig zu länger anhaltender Bewölkung, Hochnebel und trübem Wetter. Diese Kombination kann die Stromproduktion erheblich reduzieren.
Weniger Licht bedeutet nicht automatisch keinen Strom
Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass Solarmodule ausschließlich bei direktem Sonnenschein funktionieren. Tatsächlich können sie auch diffuses Licht nutzen, das durch Wolken gestreut wird. Selbst an grauen Novembertagen wird deshalb weiterhin Strom produziert.
Wie groß die Erträge ausfallen, hängt jedoch stark von der technischen Ausstattung und den örtlichen Gegebenheiten ab. Moderne Photovoltaikanlagen können Sonnenlicht auch bei schwächerer Einstrahlung in elektrische Energie umwandeln. Einfluss auf die tatsächliche Strommenge haben unter anderem die Modulqualität, die Dachneigung, die Ausrichtung und mögliche Verschattungen.
Interessanterweise können niedrige Temperaturen sogar vorteilhaft sein. Solarzellen arbeiten bei Kälte grundsätzlich effizienter als bei großer Hitze. Ein klarer, sonniger Wintertag kann deshalb trotz kurzer Tageslänge beachtliche Erträge liefern. Entscheidend bleibt allerdings, wie viel Sonnenlicht tatsächlich auf die Module trifft.
Wie viel Solarstrom produziert eine Anlage im Herbst und Winter?
Die Unterschiede zwischen Sommer- und Wintererträgen sind beträchtlich. In Deutschland werden große Teile des jährlichen Solarstroms zwischen März und September erzeugt. November, Dezember und Januar gehören dagegen regelmäßig zu den schwächsten Monaten.
Wie stark die Stromproduktion zurückgeht, verdeutlicht ein Rechenbeispiel für eine Solaranlage mit einer installierten Leistung von 10 Kilowattpeak (kWp).
Typische Stromerträge zwischen November und Februar
Für eine beispielhafte, weitgehend unverschattete 10-kWp-Anlage mit günstiger Dachausrichtung können folgende monatliche Erträge als grobe Orientierung dienen:
|
Monat |
Beispielhafter Stromertrag |
|
November |
250–450 kWh |
|
Dezember |
150–300 kWh |
|
Januar |
200–400 kWh |
|
Februar |
350–650 kWh |
Die Werte sind illustrative Orientierungsbereiche und keine standortspezifische Ertragsprognose. Je nach Standort, Wetter, Modulneigung und Verschattung können die tatsächlichen Ergebnisse deutlich abweichen.
Besonders im Dezember macht sich der kurze Tagesverlauf bemerkbar. Selbst bei gutem Wetter steht nur ein begrenztes Zeitfenster für die Stromerzeugung zur Verfügung. Ab Februar steigen die Erträge in der Regel wieder spürbar an, weil die Tage länger werden und die Sonne höher steht.
Beispielrechnung für einen durchschnittlichen Haushalt
Ein Vierpersonenhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh benötigt rechnerisch durchschnittlich rund 333 kWh pro Monat. Der tatsächliche Verbrauch kann im Winter allerdings höher liegen, beispielsweise durch zusätzliche Beleuchtung oder einen Wäschetrockner.
Produziert eine 10-kWp-Solaranlage im Dezember insgesamt 200 kWh, entspricht das rechnerisch etwa 60 Prozent dieses durchschnittlichen Monatsverbrauchs. Daraus ergibt sich jedoch noch keine tatsächliche Autarkiequote von 60 Prozent.
Der Grund liegt im zeitlichen Unterschied zwischen Stromproduktion und Stromverbrauch. Während Solarstrom hauptsächlich um die Mittagszeit erzeugt wird, benötigen viele Haushalte besonders morgens und abends Energie. Ohne Batteriespeicher muss deshalb möglicherweise Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen werden, obwohl über den Monat betrachtet eine beträchtliche Solarstrommenge produziert wurde.
Hinzu kommen regionale Unterschiede. In Süddeutschland können die jährlichen Solarerträge aufgrund günstigerer Einstrahlungsverhältnisse höher ausfallen als in manchen norddeutschen Regionen. Lokale Wetterbedingungen, insbesondere winterlicher Nebel, können diesen Vorteil jedoch zeitweise aufheben.
Schnee, Frost und Verschmutzungen: Was beeinflusst den Winterertrag zusätzlich?
Neben den kürzeren Tagen beeinflussen weitere Faktoren die Leistungsfähigkeit einer Solaranlage. Besonders Schnee, herabfallendes Laub und zusätzliche Schatten können im Winter zu unerwarteten Ertragseinbußen führen.
Dabei lassen sich einige Probleme durch eine gute Anlagenplanung und regelmäßige Kontrollen vermeiden.
Schnee auf den Solarmodulen
Eine dünne Schneeschicht muss die Stromproduktion nicht dauerhaft beeinträchtigen. Sobald die Sonne scheint und sich die Moduloberfläche erwärmt, kann der Schnee teilweise abschmelzen oder abrutschen. Das funktioniert insbesondere bei ausreichend geneigten Dachflächen.
Anders sieht es aus, wenn eine dicke Schneedecke die Module vollständig bedeckt. In diesem Fall kann die Stromerzeugung vorübergehend nahezu zum Stillstand kommen. Auf flach geneigten Dächern bleibt Schnee häufig länger liegen als auf steilen Dachflächen.
Eine eigenständige Schneeräumung vom Dach ist allerdings meist keine sinnvolle Lösung. Neben der Absturzgefahr besteht das Risiko, die empfindlichen Moduloberflächen zu beschädigen. Da Schneetage in vielen Regionen Deutschlands nur einen kleinen Teil des Jahres ausmachen, ist das natürliche Abschmelzen häufig die sicherere Vorgehensweise.
Laub, Schmutz und Verschattungen
Im Herbst sammeln sich insbesondere in der Nähe größerer Bäume Blätter und kleinere Äste auf Dachflächen. Bleiben sie auf den Solarmodulen liegen, können einzelne Bereiche verschattet werden. Auch starke Verschmutzungen können die Stromproduktion reduzieren.
Regen entfernt gewöhnlichen Staub und leichte Ablagerungen in vielen Fällen von selbst. Hartnäckige Verschmutzungen sollten dagegen nur bei tatsächlichem Bedarf und unter Beachtung der Herstellervorgaben professionell entfernt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der veränderte Sonnenstand. Gebäude, Schornsteine oder Bäume, die im Sommer kaum Schatten werfen, können im November größere Teile der Anlage verdecken. Deshalb ist eine Verschattungsanalyse nicht nur für den Sommer, sondern für das gesamte Jahr sinnvoll.
Solarstrom im Winter besser nutzen: 5 praktische Möglichkeiten
Auch wenn sich die Sonneneinstrahlung nicht beeinflussen lässt, kann die Nutzung des erzeugten Stroms verbessert werden. Besonders im Winter kommt es darauf an, vorhandene Energie möglichst gezielt einzusetzen.
1. Stromverbrauch auf sonnige Tagesstunden verlagern
Im Sommer steht häufig über viele Stunden hinweg ausreichend Solarstrom zur Verfügung. Im Winter konzentriert sich die Produktion dagegen oft auf wenige Stunden rund um die Mittagszeit.
Deshalb kann es sinnvoll sein, stromintensive Haushaltsgeräte gezielt während dieser Zeit zu betreiben. Waschmaschinen, Geschirrspüler und andere größere Verbraucher lassen sich beispielsweise mithilfe einer Startzeitvorwahl aktivieren.
Bei modernen Energiemanagementsystemen kann dieser Vorgang teilweise automatisiert werden. Die Geräte starten dann bevorzugt, wenn eine entsprechende Solarstromproduktion vorhanden ist. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass an stark bewölkten Tagen selbst mittags nur wenig überschüssiger Strom verfügbar sein kann.
2. Stromspeicher sinnvoll einsetzen
Ein Batteriespeicher ermöglicht es, tagsüber erzeugten Solarstrom am Abend oder in der Nacht zu verwenden. Dadurch kann der direkte Eigenverbrauch erhöht und der Netzstrombezug reduziert werden.
Im Winter stößt dieses Konzept allerdings an Grenzen. Wenn die Solaranlage an mehreren Tagen hintereinander nur geringe Strommengen produziert, steht möglicherweise nicht genügend Energie zur Verfügung, um den Speicher vollständig aufzuladen.
Ein größerer Batteriespeicher führt deshalb nicht automatisch zu einer besseren Winterversorgung. Entscheidend ist eine Dimensionierung, die zum Stromverbrauch und zur tatsächlichen Solarstromproduktion passt. Wirtschaftlich sinnvoll ist ein Speicher vor allem dann, wenn er über das Jahr hinweg regelmäßig genutzt werden kann.
3. Energieverbrauch im Haushalt reduzieren
Während der Wintermonate gewinnt ein effizienter Umgang mit Strom zusätzlich an Bedeutung. Schon kleinere Veränderungen können dazu beitragen, den Netzstrombezug zu reduzieren.
Besonders einfach lassen sich unnötige Stand-by-Verbräuche vermeiden. Auch eine effiziente LED-Beleuchtung, passend eingestellte Kühlgeräte und die bewusste Nutzung energieintensiver Haushaltsgeräte können den Strombedarf senken.
Bei Haushalten mit Wärmepumpe lohnt sich außerdem ein Blick auf die Einstellungen der Heizungsanlage. Eine abgestimmte Regelung kann dabei helfen, unnötigen Stromverbrauch zu vermeiden. Dabei sollten weder der Wohnkomfort noch notwendige hygienische Anforderungen beeinträchtigt werden.
4. Erträge regelmäßig kontrollieren
Viele moderne Wechselrichter verfügen über eine App oder ein Onlineportal, mit dem sich die Stromproduktion verfolgen lässt. Solche Monitoring-Systeme zeigen häufig nicht nur den aktuellen Ertrag, sondern auch Tages-, Monats- und Jahreswerte.
Gerade im Winter ist es sinnvoll, die Ergebnisse mit vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre abzugleichen. Einzelne schlechte Tage sind bei dichter Bewölkung normal. Ein ungewöhnlich starker und dauerhaft anhaltender Leistungsabfall kann dagegen auf technische Probleme oder zusätzliche Verschattungen hinweisen.
Für eine aussagekräftige Bewertung sollten allerdings immer die Wetterbedingungen berücksichtigt werden. Ein sonniger November lässt sich nicht ohne Weiteres mit einem außergewöhnlich trüben November des Vorjahres vergleichen.
5. Den Eigenverbrauch realistisch planen
Eine besonders wichtige Rolle spielt die Abstimmung zwischen Stromerzeugung und Verbrauch. Je besser beide zeitlich zusammenpassen, desto größer kann der Anteil des direkt selbst genutzten Solarstroms ausfallen.
Bei Elektroautos kann beispielsweise das Laden während sonniger Tagesstunden sinnvoll sein. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug zu diesen Zeiten verfügbar ist und die Anlage ausreichend überschüssigen Strom produziert.
Bei Wärmepumpen kann eine intelligente Steuerung helfen, günstige Erzeugungszeiten teilweise auszunutzen. Allerdings ist im Winter gerade dann viel Heizenergie erforderlich, wenn die Solarproduktion vergleichsweise gering ist.
Eine vollständige Stromversorgung ausschließlich durch die eigene Solaranlage bleibt deshalb für viele Haushalte während der Wintermonate unrealistisch. Eine wirtschaftliche Planung berücksichtigt diesen Umstand bereits vor der Anschaffung.
Lohnt sich eine Solaranlage trotz geringer Wintererträge?
Die niedrige Stromproduktion im November und Dezember führt häufig zu der Frage, ob sich eine Solaranlage unter diesen Bedingungen überhaupt lohnt. Für eine wirtschaftliche Bewertung sind jedoch nicht einzelne Monate entscheidend, sondern die gesamte Nutzungsdauer und die jährliche Stromerzeugung.
Gerade im Frühling und Sommer produzieren leistungsfähige Dachanlagen erhebliche Strommengen. Ein Teil davon kann direkt verbraucht, in einem Batteriespeicher zwischengespeichert oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.
So können die hohen Sommererträge die schwächeren Wintermonate in der jährlichen Wirtschaftlichkeitsrechnung ausgleichen. Solarstrom aus dem Sommer lässt sich allerdings nicht ohne zusätzliche saisonale Speichertechnik bis in den Winter aufbewahren. Ein gewöhnlicher Heimspeicher ist hauptsächlich für die Verschiebung von Strom innerhalb eines Tages ausgelegt.
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit bleiben deshalb die Anschaffungskosten, der erwartete Jahresertrag, der Eigenverbrauch, die Strombezugskosten und die geltenden Einspeisebedingungen. Eine sorgfältig geplante Anlage kann auch dann wirtschaftlich sein, wenn im Dezember nur vergleichsweise wenig Strom erzeugt wird.
Fazit: Auch im Winter bleibt Solarstrom ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgung
Ab November sinkt die Stromproduktion vieler Solaranlagen deutlich. Kurze Tage, ein niedriger Sonnenstand und häufige Bewölkung sorgen dafür, dass insbesondere Dezember und Januar wesentlich geringere Erträge liefern als die Sommermonate.
Trotzdem bleibt Solarenergie auch in der kalten Jahreszeit nutzbar. Selbst bei bedecktem Himmel produzieren Solarmodule Strom, während klare und kalte Wintertage durchaus gute Tageserträge ermöglichen können.
Entscheidend ist ein realistischer Blick auf die saisonalen Unterschiede. Eine durchdachte Anlagenplanung, die Verlagerung geeigneter Stromverbraucher in sonnenreiche Stunden und ein passend dimensionierter Batteriespeicher können dabei helfen, mehr selbst erzeugten Strom zu nutzen.
Für die langfristige Wirtschaftlichkeit ist letztlich nicht ausschlaggebend, wie viel Energie eine Solaranlage an einem trüben Novembertag liefert. Viel wichtiger ist, wie zuverlässig und effizient sie über das gesamte Jahr hinweg Strom produziert.
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