Photovoltaik-Rendite 2026: Was an der „Rendite-Lüge“ dran ist

Renditeversprechen mit nachvollziehbaren Annahmen prüfen

Hinter dem Schlagwort „Photovoltaik-Rendite-Lüge“ steckt eine berechtigte Frage: Sind die versprochenen Erträge einer Solaranlage realistisch? Für 2026 lautet die sachliche Antwort: Photovoltaik kann sich lohnen, aber weder eine feste Rendite noch eine bestimmte Amortisationsdauer gilt für jedes Dach. Entscheidend sind nachvollziehbare Annahmen.

Photovoltaik-Rendite 2026: Was an der „Rendite-Lüge“ dran ist [Bildinhalt mit KI erstellt]
Photovoltaik-Rendite 2026: Was an der „Rendite-Lüge“ dran ist [Bildinhalt mit KI erstellt]

Was eine Renditerechnung zeigen muss

Die jährliche Einsparung ist nicht dasselbe wie die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Eine Anlage kostet zu Beginn Geld und erzeugt anschließend unterschiedlich hohe Zahlungsüberschüsse. Reparaturen, Alterung, Finanzierung und Restwert verändern diesen Verlauf.

Kennzahl Aussage und Grenze
Jährlicher Überschuss Ersparte Stromkosten plus Erlöse abzüglich laufender Ausgaben; noch keine vollständige Rendite.
Einfache Amortisation Investition geteilt durch konstant angenommenen Jahresüberschuss; ignoriert den Zeitwert des Geldes.
Kapitalwert Bewertet künftige Zahlungsströme mit einem gewählten Kalkulationszins.
Interner Zinsfuß Renditekennzahl aus der gesamten Zahlungsreihe; hängt von Laufzeit und allen Annahmen ab.

Wer einen Jahresüberschuss durch den Kaufpreis teilt und dieses Ergebnis als sichere jährliche Kapitalrendite verkauft, verkürzt die Rechnung. Auch der Vergleich mit einem frei verfügbaren Finanzprodukt braucht Vorsicht: Liquidität, Risiko, Laufzeit und Nutzungsvorteile sind unterschiedlich.

Drei Szenarien statt einer Werbezahl

Für die folgende Sensitivitätsrechnung nehmen wir eine PV-Anlage ohne Speicher für 12.000 Euro an. Sie erzeugt im Modell jährlich 9.000 kWh und verursacht 200 Euro laufende Kosten. Der angenommene vermiedene Strompreis beträgt 30 ct/kWh, die Vergütung 7,70 ct/kWh. Letztere entspricht dem Satz bis 10 kWp Teileinspeisung bei Inbetriebnahme von August bis Dezember 2026.

Direkter Eigenverbrauch Einspeisung Jahresüberschuss im Modell Einfache Amortisation
1.500 kWh 7.500 kWh 827,50 Euro 14,5 Jahre
3.000 kWh 6.000 kWh 1.162,00 Euro 10,3 Jahre
4.500 kWh 4.500 kWh 1.496,50 Euro 8,0 Jahre

Das sind selbst berechnete Szenarien, keine erwartbaren Standardwerte. Gerade 4.500 kWh direkter Eigenverbrauch müssen durch ein passendes Lastprofil belegbar sein. Für alle Zeilen wurden konstante Erträge und Preise unterstellt; Finanzierung, Abzinsung, größere Reparaturen und vergütungsfreie Zeiten fehlen noch.

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Im mittleren Szenario verändert ein anderer Netzstrom-Arbeitspreis das Ergebnis deutlich: Bei 25 ct/kWh beträgt der Überschuss 1.012 Euro, bei 35 ct/kWh 1.312 Euro. Schon diese einzelne Annahme verschiebt die einfache Amortisation von rund 11,9 auf 9,1 Jahre. Dauerhaft steigende Strompreise sollten deshalb keine notwendige Voraussetzung für ein positives Ergebnis sein.

Typische Rechenfehler erkennen

  • Doppelt gezählter Strom: Eine Kilowattstunde kann nicht zugleich als Eigenverbrauch und als Einspeisung vergütet werden.
  • Unvollständige Investition: Zählerschrank, Gerüst oder zusätzliche Dacharbeiten fehlen im Kaufpreis.
  • Falsche Stromkosten: Der weiter anfallende Grundpreis wird als eingespart gerechnet.
  • Unplausibler Eigenverbrauch: Die Jahresstrommenge wird ohne zeitliche Zuordnung mit dem Solarertrag verrechnet.
  • Fehlende Folgekosten: Versicherung, Messung, Wartung oder ein späterer Wechselrichtertausch bleiben unberücksichtigt.
  • Garantierter Zuschuss: Noch nicht bewilligte Förderung wird bereits vom Preis abgezogen.

Speicher und Finanzierung getrennt beurteilen

Ein Batteriespeicher erhöht meist die Nutzung des eigenen Solarstroms. Gleichzeitig entstehen Investitionskosten und Energieverluste. Vergleichen Sie deshalb dieselbe PV-Anlage mit und ohne Speicher. Die bessere Gesamtanlage kann trotz niedrigerer Autarkie die Variante ohne Batterie sein.

Bei Kreditfinanzierung sind zwei Rechnungen sinnvoll: die Wirtschaftlichkeit des Projekts und die Liquidität Ihres Haushalts nach Zins und Tilgung. Tilgung ist in einer Projekt-Renditerechnung anders einzuordnen als in der persönlichen Monatsbelastung. Eine gute Projektrendite bedeutet nicht automatisch, dass jede Kreditrate aus den laufenden Einsparungen gedeckt wird.

So prüfen Sie eine angebotene Rendite

Verlangen Sie die vollständige Zahlungsreihe und sämtliche Annahmen. Lassen Sie Ertrag, Eigenverbrauch, Strompreis, Degradation, Ersatzinvestitionen und Betrachtungsdauer einzeln ausweisen. Prüfen Sie mit PVGIS eine erste standortbezogene Ertragsspanne und gleichen Sie sie mit der konkreten Dachplanung ab.

Ein belastbares Angebot bleibt auch dann verständlich, wenn Sie ungünstigere Werte einsetzen. Unsere Übersicht zu privaten PV-Kosten und der Speicher-Wirtschaftlichkeit hilft bei der Aufteilung. Die pauschale Behauptung, Photovoltaik sei eine „Lüge“, ist ebenso wenig hilfreich wie ein pauschales Renditeversprechen. Gute Entscheidungen entstehen aus überprüfbaren Zahlen.

Quellen und weiterführende Informationen

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